Jugend und Newcomer beim Nord-West-Cup

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Herzlichen Dank an Dennis Nolting für diesen Bericht:

Online-Training schön und gut, doch was nutzt das beste Training, wenn man es nicht endlich mal wieder anwenden kann. So oder so ähnlich werden die Gedanken bei den Organisatoren vom Niedersächsischen Schachbund und dem Landesschachbund Bremen gewesen sein und so wurde mit dem Nord-West-Cup ein Turnier für Vierermannschaften ins Leben gerufen, das mit Hilfe der Software des Schachklubs Kelheim komplett auf Lichess.org ausgetragen wird (https://turniere.schachklub-kelheim.de/ndshb1). Immer wieder Sonntags treten seit 06.06. in zweiwöchigem Abstand Vierermannschaften im Schweizer System gegeneinander an. Die Bedenkzeit: 45 Minuten pro Partie mit 10 Sekunden Aufschlag pro Zug. Das kommt noch nicht ganz aber doch schon deutlich mehr als die normalen Lichess-Modi an die klassischen sonntäglichen Mannschaftskämpfe heran.

Für den HSK tritt hier eine Mischung aus den montäglichen Trainingsgruppen Jugend/Newcomer und anderen Schülern von Dennes und Tobias an, die wie man im Fußball so schön sagt „noch nie in der Form zusammengespielt hat". Im Schach ist das glücklicherweise kein Nachteil und wir fieberten am Sonntag gespannt der Auslosung und dem Turnierstart entgegen. Vor dem Turnierstart wurde noch eine Whatsappgruppe erstellt, um kurzfristig klären zu können, wer spielt und wer gegebenenfalls am Wochenende pausiert, damit jeder der 7 im Kader befindlichen Spieler mal zum Einsatz kommt.

Mit einer Durchschnittswertung von 1406 (gebildet anhand der Wertungen der 4 Stammspieler, wodurch u.a. Tobias, der als Ersatzspieler an Brett 8 gemeldet ist, nicht zum Durchschnitt beiträgt) war klar, dass wir eher zur unteren Hälfte gehören und somit einen stärkeren Gegner zu Beginn erwarten durften. Es kam dann auch direkt zum Nachbarschaftsduell, da uns die SG Weiß-Blau Eilenriede zugelost wurde. Mit meiner (Dennis) eigenen Partie kann ich leider absolut nicht angeben, am zweiten Brett erwischte mich Oliver Schmidt auf dem völlig falschen Fuß, sodass ich bereits früh einen Springer gegen zwei Bauern geben musste. Über den Verlauf der Partie hinweg konnte ich zwar immer mal wieder leicht für Ärger bei den weißen Steinen sorgen, doch die Hoffnung, vielleicht doch noch einen halben Punkt mitzunehmen schwand mehr und mehr. Am Ende brachte mein Gegner mit einer Kombination aus Springer- und Turmopfer forciert seinen Randbauern durch und nach ein paar Zügen musste ich einsehen, mit meinem Turm gegen die weiße Dame chancenlos zu sein.

[Event "?"] [Site "?"] [Date "2021.06.07"] [Round "?"] [White "Schmidt, Oliver"] [Black "Nolting, Dennis"] [Result "*"] [Annotator "tobia"] [SetUp "1"] [FEN "4r3/1bp2pk1/p2b2pp/2p5/4p1P1/1PNB3P/P2NKP2/2R5 w - - 0 1"] [PlyCount "5"] [SourceVersionDate "2021.06.07"] {Der Moment, als ich hoffte, mit 29...e4 noch ein bisschen zu Gegenspiel zu kommen. Nach} 1. Bc4 Bf4 2. Rd1 e3 3. Nf1 {fand Weiß jedoch die korrekte Verteidigung und entschärfte das Spiel im Zentrum ausreichend. Später konnte er so den Vorteil in einen Sieg verwandeln.} *
©️ für den PGN Viewer Chessbase GmbH

Ähnlich erging es Tobias Schüler Christian Kaerkes, der am vierten Brett gegen Garvin Danisch in seiner Skandinavischpartie seinen Läufer opferte, um einen Königsangriff zu starten. Dieser schlug leider nicht ganz durch, da sich Weiß umsichtig verteidigte und schnell die Dame zum Tausch an den Königsflügel bringen konnte. Hier wäre rein theoretisch möglich gewesen, dem Tausch auszuweichen und dann mit Springer, Dame und Turm eine interessante Angriffsstellung zu erlangen, leider wäre er dabei jedoch einzügig Matt gegangen, was diese Option zunichtemachte.

[Event "?"] [Site "?"] [Date "2021.06.07"] [Round "?"] [White "Danisch"] [Black "Kaerkes, Christian"] [Result "*"] [Annotator "tobia"] [SetUp "1"] [FEN "rn2kb1r/ppp1ppp1/5n2/4N2p/2PP4/3B1Q1q/PP3P2/RNB2RK1 w kq - 0 0"] [PlyCount "0"] [SourceVersionDate "2021.06.07"] {Stellung nach 11.Df3. In der Partie wurden die Damen getauscht, nach 11...Dh4 12. Dxb7 sieht 12....Sg4 für Schwarz interessant aus, leider ist 13.Dc8 matt und man verliert nicht bloß den Ta8.} *
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Am dritten Brett führte Manuel Blankenheim die weißen Steine gegen Paavo Alexander Kräuter ins Feld, dem es in der französischen Partie früh gelang, seinen Springer gegen Manuels weißfeldrigen Läufer abzutauschen. Manuel konnte die Partie lange ausgeglichen halten und am Königsflügel Raum gewinnen, doch als sein Gegner dann rochiert hatte und Manuel in der Diagrammstellung nach 19.f4 f6 20. g5 folgen ließ, öffnete sich die F-Linie für die schwarzen Türme. So entstand plötzlich ein nicht zu unterschätzender Angriff für Schwarz, der letzten Endes nicht pariert werden konnte.

[Event "?"] [Site "?"] [Date "2021.06.07"] [Round "?"] [White "Blankenheim"] [Black "Kräuter"] [Result "*"] [Annotator "tobia"] [SetUp "1"] [FEN "1r3rk1/4bppp/bqp1p3/p2pP3/3P2P1/P3B3/1PQ1NP1P/1RR3K1 w - - 0 1"] [PlyCount "16"] [SourceVersionDate "2021.06.07"] {Nach dem bereits erwähnten} 1. f4 f6 2. g5 {dringt der schwarze Turm in die weiße Stellung ein.} fxe5 3. fxe5 Rf3 4. Qd2 a4 5. Kg2 Rbf8 6. Nf4 Rxe3 7. Qxe3 Bxg5 {Manuel versucht zwar noch einen Trick mit} 8. Nxd5 {, aber nach} Qd8 {kommt die Dame an den Königsflügel, Schwarz gewinnt Material und der schwarze Angriff schlägt durch. 0:3 gegen den erwartet schweren Gegner.} *
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Doch Dennes Schützling Johannes von Mettenheim sorgte für einen Lichtblick: Gegen den immerhin über 2000 bewerteten Roland Kleinschroth gelang ihm in verlorener Stellung aus einer klugen Abwägung heraus noch ein Trick, als er statt einer Figur einen Turm gab und dafür ein bisschen Spiel bekam. Dieser hätte Roland höchstwahrscheinlich, hätte er an einem echten Brett gesessen eine gewisse Röte ins Gesicht gezaubert. Nachdem Schwarz sich am Turm auf e4 bedient hatte, zog Johannes Dg6, was Roland, zugegebenermaßen mit nicht mehr ganz so viel Zeit auf der Uhr, aber eigentlich noch genug (6 Minuten) vermutlich für nicht so bedrohlich hielt.

[Event "?"] [Site "?"] [Date "2021.06.07"] [Round "?"] [White "Von Mettenheim"] [Black "Kleinschroth"] [Result "*"] [Annotator "tobia"] [SetUp "1"] [FEN "r4r1k/p3b3/2p1b1Qp/1p2P1p1/5B2/6P1/PP3qBP/R6K b - - 0 1"] [PlyCount "10"] [SourceVersionDate "2021.06.07"] {Nach 25. Dg6 hat schwarz hier eigentlich weiterhin alles im Griff.} 1... Bd5 { gibt die Partie jedoch direkt aus der Hand, da das Dauerschach} 2. Qxh6+ Kg8 3. Qg6+ Kh8 {nun nicht mehr abzuwenden ist. Johannes gab Schwarz mit} 4. Qh6+ Kg8 5. Bxd5+ {noch die Möglichkeit, einen Fehler zu machen, aber nach} cxd5 6. Qg6+ {einigte man sich auf Remis.} *
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Hier noch das amtliche Endergebnis:
Weiß-Blau Eilenriede 3½ - ½ HSK Lister Turm
1 Roland Kleinschroth (2022) - Johannes von Mettenheim (1954) 1/2 - 1/2
2 Oliver Schmidt (1930) - Dennis Nolting (1529) 1 - 0
3 Paavo Alexander Kräuter (1692) - Manuel Blankenheim (1340) 1 - 0
4 Garvin Danisch (1619) - Christian Kaerkes 1 - 0

Damit immerhin ein halber Punkt. Nach dem Turnier trafen wir uns dann noch bei Discord, um die Partien gemeinsam zu analysieren. In zwei Wochen geht es gegen die dritte Mannschaft des SK Lehrte, die ihr erstes Spiel mit 1:3 gegen das SZ Bemerode verloren hat. Wer auf Lichess zusehen möchte, ist herzlich eingeladen, Sonntag 20.06., 10 Uhr!

Kommentare

L

Sehr schöner, ausführlicher Bericht. Danke dafür Dennis! Ich freue mich schon darauf dich und die anderen Newcomer kennenzulernen wenn’s wieder richtig mit Schach am Brett im Lister Turm losgeht 😉

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